Anerkennung für das Archiv in der Carl-Schirren-Gesellschaft

Das kulturhistorisch wertvolle Sammlungsarchiv der Deutschbaltischen Kulturstiftung in Lüneburg fand und findet das Interesse der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien (BKM). Das von ihr finanziell geförderte erste Archivprojekt wurde im Juni abgeschlossen. Dr. Peter Wörster, der Bearbeiter, überreichte Renate Adolphi, seit dreißig Jahren Leiterin des Carl-Schirren-Archivs, und Dr. Bernhard Schalhorn, dem Projektleiter, seinen umfangreichen Abschlussbericht.

Gefördert durch: BKM 2017 Web de

 

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Seit Anfang der 1950er Jahre werden in der CSG Archivalien mit Bezug auf die Geschichte der Deutschbalten sowie ihrer Herkunftsregionen in Estland und Lettland gesammelt und der Forschung zugänglich gemacht. In über sechs Jahrzehnten ist der Gesellschaft wertvolles Archivgut übergeben worden. Dabei handelt es sich zumeist um Personennachlässe sowie Archive deutschbaltischer studentischer Korporationen, die für Forscher aus dem In- und Ausland von großem Interesse sind.

Die bisher vorherrschenden beengten räumlichen Verhältnisse im Brömsehaus sowie die schwierige personelle Situation brachten es mit sich, dass die Erschließung und Verzeichnung der Archivbestände sowie ihre Lagerung und Benutzbarkeit vielfach erschwert waren und auch weiterhin noch sind.  

Um diese Situation in jeder Hinsicht zu verbessern, hatte der Vorstand der CSG beschlossen, die Bestände neu zu bearbeiten und übersichtlich zu lagern. Dabei sollte es vor allem darauf ankommen, die Erfahrungen und Leistungen der zumeist jahrzehntelangen bewährten ehrenamtlichen Mitarbeiter – an ihrer Spitze seit über 30 Jahren Renate Adolphi – mit den im Archivwesen üblichen Standards zu verbinden, um so der Öffentlichkeit, insbesondere den interessierten Forschern, den größtmöglichen Nutzen zu gewährleisten.

Die Initiative des Vorstands fand bei der zuständigen Beauftragten für Kultur und Medien, Frau Staatsministerin Prof. Grütters (Berlin), große Aufgeschlossenheit. Ihr Haus setzte eine Expertengruppe ein, die die Lage des Archivs im Brömsehaus erst einmal kennenlernen und evaluieren sollte, um sich unter allen Beteiligten über die weiteren Arbeitsschritte abstimmen zu können. Dies geschah im Februar 2017. Die Experten kamen zu dem Ergebnis, dass die Archivbestände in der CSG „kulturhistorisch überaus wertvoll und […] für die Kultur und Geschichte der Deutschbalten relevant“ seien. Es stehe außer Frage, dass alles getan werden müsse, dieses Kulturgut für die Zukunft zu bewahren und der interessierten Öffentlichkeit zugänglich zu machen.

 

Die Experten empfahlen, das große Archivprojekt in zwei Schritten zu realisieren: Einmal sollte es eine Art „Vorprojekt“ von ca. sechs Monaten geben, das einer in baltischer Geschichte wie im Archivwesen ausgewiesenen Fachkraft die Möglichkeit geben sollte, die bisherige Funktionsweise des Archivs genauestens, also durch tagtägliche Beobachtung über einen längeren Zeitraum hinweg zu studieren und dann  Empfehlungen für das weitere mittel- und langfristige Vorgehen zu geben. Die Expertengruppe ging berechtigterweise davon aus, dass so vertiefte Einsichten in das bisher schon Erreichte und in das für die Zukunft Notwendige gewonnen werden könnten.

Nach vielfältigen Vorbereitungen begann dieses Vorprojekt im November 2017. Als Projektbearbeiter wurde Dr. Peter Wörster aus Marburg gewonnen, der fast vier Jahrzehnte das Archiv des dortigen Herder-Instituts geleitet hatte, das seit 1994 zum größten Archiv zur baltischen Geschichte in Deutschland geworden war.

Im Juni 2018 hat Dr. Wörster seinen 48 Seiten umfassenden Abschlussbericht fertiggestellt und nun an die Archivleiterin Renate Adolphi und an den vom Vorstand der CSG zum Projektleiter berufenen Dr. Bernhard Schalhorn (Lüneburg) übergeben. Dieser Abschlussbericht enthält neben einem allgemeinen Teil Vorschläge für eine neue Beständeübersicht („Archivtektonik“), Perspektiven für das Nachfolgeprojekt zur Neuordnung und Neuverzeichnung der Archivbestände, Beobachtungen und Empfehlungen für die künftige Archivarbeit, erstmals einen Artikel über „Geschichte und Profil“ des Archivs, eine Übersicht über die bereits vorhandenen älteren Findmittel zu den Archivbeständen sowie Entwürfe für die künftig zu verwendenden Formulare und für eine Benutzungsordnung.

Die Ergebnisse dieses jetzt abgeschlossenen Archivprojekts sollen die Grundlage bilden für die weitere Archivarbeit in der CSG in den nächsten Jahren. Ein entsprechendes Projekt wird jetzt von der CSG vorbereitet und könnte, wenn es bewilligt würde, Ende dieses oder Anfang kommenden Jahres beginnen.

Dr. Peter Wörster (Marburg) wurde nach Abschluss des bundesgeförderten Archivvorprojektes zum Beauftragten des Vorstands der Carl-Schirren-Gesellschaft für die wissenschaftliche Begleitung der Archivarbeit im Brömsehaus ernannt. Dr. Wörster trat seine neue ehrenamtliche Tätigkeit zum 1. Juli 2018 an. Seine Aufgabe sind die Beratung des Vorstands in allen das Archiv betreffenden Fragen, die professionelle Unterstützung der anderen ehrenamtlichen Mitarbeiter sowie die Vorbereitung eines nachfolgenden Projekts zur Neubearbeitung der Archivbestände im Brömsehaus.