Grußwort des Vorsitzenden des Deutsch-Baltischen Kulturwerks zum Festakt der Eröffnung der Deutschbaltischen Abteilung und Wiedereröffnung des Ostpreußischen Landesmuseums:

(Es gilt das gesprochene Wort)

Exzellenzen, Abgeordnete aus Bund, Land und Stadt,

Frau Staatsministerin, Herr Minister, Herr Oberbürgermeister,

sehr geehrte Damen und Herren,

im Namen aller Deutschbalten möchte ich heute dem Bund, dem Land Niedersachsen und den Ostpreußen als unseren Partnern im OL danken, dass Sie uns Deutschbalten als Juniorpartner in ihr Museum aufgenommen haben. Ein solcher Erfolg hat viele Mütter und Väter – stellvertretend für vielen anderen möchte ich an dieser Stelle danken: Frau Pabst und Baronin Sass als Initiatorinnen sowie Herrn Westrén-Doll und meinen drei Vorgängern im Amte, Professor Frhr. v. Campenhausen, Dr. Wittram und Professor Garleff, ganz besonders aber Ihnen, Herr Dr. Mähnert und Ihrem Team. Sie haben in dem zurückliegenden Vierteljahrhundert unermüdlich auf diesen großen Tag hingearbeitet. Durch den Erwerb des Scharffschen Hauses ist unser Museum noch ein Stück weiter ins Lüneburger Zentrum gerückt und hat nun seinen Eingang direkt in der Fußgängerzone. Hunderte von Sitzungen haben stattgefunden, um diesen Traum Wirklichkeit werden zu lassen; an mehr als 50 habe ich seit 1992 persönlich teilgenommen.

Es ist mir eine Riesenfreude, nach mehr als 25 Jahren die Eröffnung dieses schönen Stückes Europa miterleben zu dürfen. Mit den Menschen in unseren Nachbarländern eint uns der Wunsch, dass von europäischem Boden nie wieder Krieg ausgehen darf. Dazu soll unser gemeinsames Museum als eine unserer Plattformen für Begegnungen mit Esten, Letten, Litauern, Polen und Russen beitragen: es soll Wissen über Gestern vermitteln, um das Heute und Morgen zu verstehen. Aus Wissen entsteht Verstehen. Gegenseitiges Verstehen ist ein zentrales Fundament für Vertrauen und für das friedliche Ringen um tragfähige Lösungen in unserem Europäischen Haus. Die grenzüberschreitende Auseinandersetzung mit den Licht- und Schattenseiten unserer gemeinsamen Kultur und Geschichte dient dem Bauen von Brücken. Angesichts von außenpolitischen Spannungen werden Kontakte und Gesprächskanäle in Europa immer wichtiger. Wer sein Gegenüber versteht, ihm hoffentlich sogar vertraut, geht anders mit ihm um!

Hier setzen unser Museum, unser Brömsehaus mit dem Carl-Schirren-Archiv und unser Jugendwerk an: Gemeinsam wollen sie die Verständigung in Europa unterstützen und steigern. Nachwuchswissenschaftlern bieten die Sammlungen an dinglichem Kulturgut im Museum und an Dokumenten im Carl-Schirren-Archiv der Deutschbaltischen Kulturstiftung Grundlagen für ihre Forschungen. Deren Ergebnisse veröffentlichen wir als Kulturwerk gerne in einer unserer digitalen Schriftenreihen. Herausragende Beiträge können mit dem Dietrich A. Loeber-Studienpreis der Deutsch-Baltischen Gesellschaft und des Deutsch-Baltischen Jugendwerkes ausgezeichnet werden.

Gegenseitiges Verständnis können wir am nachhaltigsten fördern, wenn wir Entscheidern von morgen Austausch ermöglichen. Wer Geschichte und Kultur des jeweils anderen kennt, kann besser für eine friedliche Zukunft arbeiten.

Unser gemeinsames Museum – es möge leben, wachsen und gedeihen … und hoffentlich spätestens im Jahr 2024 zum 300. Geburtstag von Immanuel Kant einen weiteren Sprung geschafft haben: Die Erweiterung um die Kantsammlung wird das Thema Aufklärung in den Mittelpunkt rücken, ein Thema von riesiger Bedeutung nicht nur für Ostpreußen und Deutschbalten, sondern für alle Europäer und ihre Gäste aus aller Welt. Menschenrechte, Demokratie und Rechtsstaat fußen auf den Ideen der Aufklärung. Alles, was wir SAMMELN, BEWAHREN und ERFORSCHEN, dient in besonderem Maße der VERMITTLUNG dieser unserer Werte.

Ich danke Ihnen, Frau Superintendentin, dass wir hier in Ihrer eindrucksvollen Kirche feiern dürfen, und bin zuversichtlich, dass sich unser gemeinsames Museum mit Gottes Hilfe zu einem wundervollen Kantmuseum weiterentwickeln wird.

Thomas von Lüpke                                                     Lüneburg, 25. August 2018